Geschichten aus dem Tourtagebuch
05.05.2007: Blue Bell (Nürtinger Musiknacht), 72622 Nürtingen
17.00 Uhr – wir treffen uns zum Aufbauen. Bin total im Eimer, ich komm direkt von
der Baustelle.
Das "Blue Bell" in Nürtingen ist nicht wiederzuerkennen, sämtliche Tische und
Stühle wurden rausgeräumt. Wir quetschen uns auf einen kleinen Platz mit ca. 2 x
3 m vor dem Fenster. Es bedarf schon einiges an Organisationstalent, um hier die
gesamte Band inkl. Gastmusikern unterzubringen. Außerdem versuchen wir mit Hilfe
unserer Monitorboxen ein klein wenig Abtrennung zum Publikum zu schaffen.
Der Soundcheck verläuft relativ gut – nachdem dann auch der letzte Musiker gegen
18.15 Uhr eingetroffen ist. Anschließend Freizeit bis zum Auftritt um 21.00 Uhr (ich
nutze die Zeit um schnell heimzufahren und meinen Kleinen ins Bett zu bringen).
Als ich pünktlich 2 Min. vor neun zurückkomme traue ich meinen Augen nicht: Bereits eine große Traube von Leuten auf der Straße vor dem Blue Bell, drinnen alles bis auf den letzten Platz gefüllt (obwohl alle Tische und Stühle fehlen!). Ich komm nur rein, weil ich glaubhaft versichern kann, dass ich in zwei Minuten auf der Bühne stehen muss. Die Jungs warten schon ungeduldig.
Dann geht's los. Die Leute stehen so nahe, dass man von der Bühne aus Ohrfeigen verteilen könnte. ;-) Der Funke springt sofort über – wir sehen in zufriedene Gesichter. In der ersten Pause wechselt das gesamte Publikum innerhalb von Minuten. Das Blue Bell ist zunächst leer um sofort wieder bis auf den letzten Platz gefüllt zu sein. Auch die Menschenansammlung auf dem Platz vor dem Blue Bell wird immer größer. Es macht richtig Spaß, hier zu spielen. Ich seh viele bekannte Gesichter und mindestens genauso viele bekannte Gesichter nicht, obwohl sie anwesend sind. Es ist auch eine neue Erfahrung, Publikum vor UND hinter sich zu haben, denn hinter uns, vor dem Fenster auf der Straße, wird mindestens genauso gefeiert und mitgesungen.
Auch in der zweiten Spielpause erfolgt wieder ein Publikumsaustausch im Zeitraum von nur wenigen Minuten und auch in den nächsten Pausen soll sich das nicht ändern. Aus diesem Grunde halten wir unsere Pausen sehr kurz. Ich weiß nicht, wieviele Leute uns heute gehört haben. Gegen ein Uhr werden wir langsam müde und beginnen mit dem Zugabeteil. Aber das inwischen anwesende Publikum kann nicht genug bekommen. Immer mehr Nachtschwärmer kommen ins Blue Bell (die meisten anderen Bands haben wohl inzwischen aufgehört) und fordern weitere Zugaben. Als keiner von den Jungs zu einer weiteren Zubage zu bewegen ist, das verbliebene Publikum aber immer noch nicht genug hat, hole ich meine Gitarre von der Bühne. Ich beginne unplugged vor der Theke Lagerfeuermusik zu spielen, bis ich den Laden dann fast leergespielt habe.
Die Jungs haben unterdessen mit dem Abbau begonnen. Der geht heute sehr fix, denn wir wollen den Abend noch bei einem (oder zwei ??? ...) Glas Guinness ausklingen lassen. Ein sehr schöner Abend – wenn's nur immer so wäre!
Gert der Bandobba