in English

Geschichten aus dem Tourtagebuch

25.07.2010: Kulturmeile, 71384 Weinstadt

Endlich mal wieder auf die Bühne, und dann gleich richtig. Vier Auftritte innerhalb von 24 Std. stehen uns bevor. Der Jazz-Club 'Armer Konrad' in Weinstadt-Endersbach hat uns für Ihre Kulturmeile angefragt. 40 Bands auf 10 Bühnen in den Weinbergen von Endersbach und wir sind mit dabei.

Samstags geht’s los um 17.15 h sind wir auf der Bühne 8 des Lions Club. Da wir den musikalischen Teil auf dieser Bühne an diesem Abend beginnen können wir in aller Ruhe aufbauen. Wir müssen nur unsere Instrumente bringen, die Technik ist vor Ort. Leider kriegen die Techniker die Rückkopplungen beim Banjo ewig nicht in den Griff, so dass wir doch erst um 18.15 h mit ca. 15 Min. Verspätung beginnen. Alles in allem aber ein netter Start vor etwa 100 ruhigen Zuhörern. Um 19.30 h räumen wir die Bühne für „But Stones“ und ziehen weiter. Unser nächster Gig findet um 21.30 h auf der Bühne 7 statt. Leider ist auf dieser Bühne nur eine kleine Anlage, für uns völlig unzureichend. Zum Glück hat unser Gorg vorgesorgt und bastelt mit Basti zusammen mit mitgebrachten eigenen Teilen eine provisorische Anlage zusammen. Da das provisorische „Mischpult“ auf der Bühne steht macht Basti an diesem Abend einige Kilometer: Hören - nachregeln - hören - nachregeln ... . Wieder mit ca. 15 Min. Verspätung beginnen wir. Ca. 150 Zuhörer warten bereits geduldig und machen - trotz eines nicht unbedingt optimalen Sound (kurz vor dem Abrauchen der Anlage) - eine super Stimmung. Es macht viel Spaß und erst nach 3 Zugaben gehen wir kurz vor Mitternacht von der Bühne um den Tag noch bei einigen Gläsern des örtlichen Samtrot zu beenden.

Tags darauf geht’s erneut los. Meine Jungs Chris (5) und Dennis (2 ½) sind total aufgeregt. Sie dürfen heute das erste Mal im Tourbus mit zum Auftritt fahren.

Wir starten um 13.00 h auf einer kleinen Bühne mitten zwischen den Rebstöcken. Wir haben’s nicht ganz leicht, denn unsere Vorgänger „Orginal Nesenbach Delta Blues“ haben eine Super Show geboten. Trotz einer Hammerrückkopplung kurz vor der Schmerzgrenze ernten wir von den ca. 60 Zuschauern dann doch einigen Beifall. Gemütlich machen wir uns auf den Weg zu unserem 4. und letzten Auftritt, zur Bühne 1. Dann trifft uns der Schlag. Wie Georg bereits anhand der Backline (komplette Anlage von Soundland incl. 6 Monitorboxen) vermutet hat ist die Bühne 1 die Hauptbühne. So zwischen 1.300 und 1.500 Menschen sitzen und stehen davor und auf der Bühne ist momentan ein Klassikakt - und das nicht vom Schlechtesten - zugange. Chris und mir rutscht sofort das Herz in die Hose und meine Frau bekommt vor lauter Mitgefühl eine Migräne-Attacke. Während die anderen montonesen die Instrumente zur Bühne tragen organisiere ich zunächst Mal eine Kopfwehtablette und kümmere mich um unsere Jungs, während Mama sich 15 Min. in den Bus zurückzieht. Zum Glück wirkt die Tablette schnell, so dass ich die Beiden rechtzeitig zum Soundcheck wieder in die Obhut von Mama zurückgeben kann. Was danach abläuft kommt mir irgendwie vor wie ein Film. Schon beim Soundcheck merken wir, hier arbeiten richtige Profis. Ich glaube wir hatten noch nie einen so guten Sound auf der Bühne. Das ganze Lampenfieber ist plötzlich wie weggeblasen, das Spielen danach geht fast wie von selbst und der Auftritt klappt hervorragend. Es ist ein irres Gefühl vor so vielen Leuten zu stehen und das Beste daran ist, dass die Leute mitmachten und unsere Musik zu mögen scheinen. Nach gut 1 ½ Sunden, einigen Besuchen von meinen Jungs auf der Bühne und 3 Zugaben schaffen wir es in nur 5 Min. Die Bühne zu räumen, da der Zeitplan ziemlich eng ist (Wir haben auch erst mit knapp 30 Minuten VErspätung beginnen können).

Später sitzen wir bei einem Glas Bier und können’s (noch) gar nicht richtig begreifen. Ich glaube, wir müssen das Erlebte erst mal setzen lassen. Beide Tage waren super, wir haben uns von Auftritt zu Auftritt gesteigert. Die Atmosphäre zwischen den Weinreben incl. der bombastischen Aussicht (auch von der Bühne herab), dem Panorama als auch den Menschen war phänomenal. 4 Gigs innerhalb von 24 Std. liegen hinter uns. Noch nie haben wir vor so vielen Menschen spielen dürfen. Vollkommen erschöpft aber glücklich und irgendwie zufrieden machen wir uns dann auf den Heimweg, wohl wissend, dass an diesem Abend wohl jeder direkt ins Bett fallen wird. An den morgigen Arbeitstag denkt in diesem Moment wohl keiner ...

Gert, Obba McMonto

Übersicht aller Einträge anzeigen